ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN SEMINARS "FUER EIN NEUES STATUT DER VOLLEN AUTONOMIE FÜR TIBET BINNEN DREI JAHREN ODER INTERNATIONALE ANERKENNUNG DER TIBETANISCHEN EXILREGIERUNG"

Brüssel, den 8. Dezember 2000


a) Im Bewusstsein der gegenwärtigen Tragödie des tibetanischen Volkes, sowie des mongolischen und uigurischen Volkes, die unter dem Schweigen und dem Ausbleiben jeglicher ernsthafter Reaktion der Regierungen der Länder der freien Welt eine brutale Unterdrückung durch ein autoritäres, kolonialistisches und imperialistisches Regime erleiden;

b) in der Erwägung, dass, wenn nicht sehr bald eine konkrete politische Initiative unternommen wird, diese Völker in wenigen Jahren in die Rolle einer Attraktion für Touristen in Reservationen verwiesen und in ihrer Existenz als Völker von der Erde getilgt sein werden;

c) eingedenk der Unterdrückungspolitik und Grundrechtsverweigerung durch die Chinesische Kommunistische Partei, der immer noch 1.3 Milliarden Chinesen, Tibetaner, Mongolen und Uyguren zum Opfer fallen;

d) in der Erwägung, dass die Anerkennung der territorialen Integrität des chinesischen Staates - wie es die Fälle der baltischen Länder, des Kaukasus und Zentralasiens gezeigt haben - nicht die Anerkennung der Legitimität der Invasion und der Besetzung Tibets bedeutet;

e) in der Erwägung, dass die Entwicklung des chinesischen Regimes, von einem kommunistischen zu einem national-kommunistischen, seine Gefährlichkeit erhöht und eine ausserordentlich ernste Bedrohung sowohl für die in der Volksrepublik China lebende Bevölkerung, als auch für den Frieden und die Stabilität in Asien wie in der ganzen Welt bedeutet;

f) besorgt über die Weigerung der demokratischen Regierungen, diese Bedrohung zur Kenntnis zu nehmen, und in der Erwägung, dass diese Untätigkeit nachgrade einen Akt der aktiven Komplizität mit der Politik der Grundrechtsverweigerung der VRC wenn nicht sogar einen Akt unterlassener Hilfeleistung gegenüber den Opfern dieser Politik darstellt;

g) befriedigt über die am 6. Juli 2000 vom Europäischen Parlament gefasste Entschliessung, in der das EP die Regierungen der Mitgliedstaaten ersucht, "ernsthaft die Möglichkeit zu prüfen, die tibetanische Exilregierung als legitime Vetreterin des tibetanischen Volkes anzuerkennen, wenn nicht die Pekinger Regierung und die tibetanische Exilregierung sich innerhalb von drei Jahren in unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen organisierten Verhandlungen auf ein neues Statut für Tibet verständigen können.";

h) daran erinnernd, dass nach der obengenannten Entschliessung ein solches Statut die volle Autonomie in allen Bereichen des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens vorsehen soll mit der einzigen Ausnahme der Verteidigungs- und Aussenpolitik;

i) daran erinnernd, dass diese Autonomie sich auf das gesamte tibetanische Gebiet erstrecken soll, so wie es vor der chinesischen Invasion von 1949 definiert war, und nicht nur auf das Gebiet der heutigen Autonomen Region Tibets (ART);

j) befriedigt über die Entschliessung des Rates der Region Piemont, durch die er sich die Entschliessung des Europäischen Parlaments vom 6. Juli 2000 zueigen macht;

k) befriedigt über die Bereitschaft des Bürgermeisters von Briançon, Alain Bayrou, sich der neuen Kampagne "Eine Flagge für ein neues Statut der vollen Autonomie Tibets" anzuschliessen, sowie über die anderen fünf Gemeinden, die diese Initiative schon unterstuetzt haben;

l) dankbar den sieben Radikalen Abgeordneten im Europäischen Parlament, sowie der Transnationalen Radikalen Partei dafür, dass sie dieses 3. Europäische Seminar für die Freiheit Tibets organisiert haben;

verpflichten sich die Teilnehmer und laden alle, die es angeht, ein:

1) eine neue Kampagne, gerichtet auf die nationalen Parlamente Europas, zu starten mit der Forderung, parlamentarische Entschliessungen ähnlich der am 6. Juli 2000 vom Europäischen Parlament angenommenen zu fassen, in denen sie ihre jeweiligen Regierungen dazu auffordern, die tibetanische Exilregierung anzuerkennen, wenn nicht binnen drei Jahren die Regierung Pekings und die tibetanische Exilregierung unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ein neues Statut für Tibet vereinbart haben; und die Initiativen zu vervielfältigen, so dass die Demonstration des 10. März 2001 eine wichtige Gelegenheit zur Mobilisierung in dieser Hinsicht wird;

2) eine Kampagne in Richtung der zehtausenden von Kommunen in ganz Europa zu starten mit dem Ziel, die tibetanische Fahne so lange zu zeigen, bis ein neues Statut der vollen Autonomie für Tibet erreicht worden ist;

3) aktiv zu werden dafür, dass die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten den Dialog mit der VRC weiterführen, jedoch die sogenannte Politik des "kritischen Dialogs über Menschenrechte" beenden; dafür , dass sie die Errichtung und Stärkung der Demokratie, des Rechtsstaates und der Freiheit in China wie auch in den besetzten Gebieten von Tibet, Sued-Mongolien und dem östlichen Turkistan zu ihrer absoluten politischen Priorität machen; und dafür, dass sie diese Position in allen bilateralen und multilateralen Fora verteidigen, beginnend mit der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen;

4) die Initiativen zu vervielfältigen, um eine weltweite Vereinigung all derer zu fördern, die in China, in Tibet und in der übrigen Welt entschlossen sind, den Kampf für die Stärkung der Demokratie und des Rechtsstaates in China und für die Freiheit in Tibet, im östlichen Turkistan und in Süd-Mongolien zu einer Priorität ihres politischen Engagements zu machen;

zu diesem Zweck beschliessen die Teilnehmer des Seminars:

5) sich als erstes Ziel der neuen Kampagne "Eine Fahne für ein neues Statut der vollen Autonomie für Tibet" in den nächsten 6 Monaten die permanente Ausstellung der Fahne in mindestens tausend Kommunen Europas zu setzen;

6) in ihren jeweiligen Internet Web-Sides ein "EuroTibetForum" einzurichten zu gemeinsamer Reflexion und Initiative;

7) eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen für die wirtschaftliche Situation in der VRC und die wirschaftlichen Beziehungen zwischen China und Europa.