DIE
SPUR DER KINDERSCHÄNDER
ZDF FERNSEHEN - Dienstag, der 30. Jannuar 2001 um 22:30
00.00 Vorspann
00.19
August 1996. Der belgische Sozialhilfe-Empfänger Marc Dutroux wird festgenommen.
Entführung und Vergewaltigung mehrerer Mädchen lauten die Vorwürfe.
Der zuständige Staatsanwalt bittet Zeugen, sich zu melden. Eine von
ihnen ist Anna Konjevoda. Sie hat Informationen über Dutroux's Komplizen.
Eine große Statue bewacht die Maas bei Lüttich. Hier wird am 7 April
`98 beim Säubern des Wasserwerks eine Frauenleiche aus dem Fluss gezogen.
Die Autopsie zeigt, dass sie geschlagen und gewürgt wurde, bevor man
sie in die Maas warf. Es ist Anna Konjevoda.
Über 20 Zeugen im Fall Dutroux starben auf suspekte Weise. Wurde auch
Anna Konjevoda umgebracht, weil sie zuviel wusste?
01.14
Die Spur der Kinderschänder
Dutroux und die toten Zeugen
01.59
Der Bordell- und Nachtclubbesitzer Michel Piro wird auf einem Autobahnparkplatz
erschossen, als seine Freundin zum Austreten ins Gebüsch geht. Zwei
Tage später wollte er sich mit den Eltern von Mädchen treffen, die von
Dutroux worden sein sollen. Er hatte angedeutet, wichtige Informationen
bekommen zu haben.
02.19
Die Zahnärztin Brigitte Jenart aus Brüssel galt als wichtige Zeugin
im Fall Dutroux. Ein Jahr nach dem Beginn der Affäre wird sie zuhause
tot aufgefunden. Der zuständige Staatsanwalt hält es für Selbstmord.
02.40
Der Häftling Christian Coenraedts soll im brüsseler Gefängnis über seine
Beziehung zu Dutroux und dessen Komplizen Weinstein verhört werden.
Am Tag davor gelingt ihm, während eines Gerichtstermins die Flucht.
Einen Monat später wird er in einem Brüsseler Vorstadtviertel ermordet
aufgefunden.
03.03
Der Kinderschänder Marc Dutroux: Als er Im August 1996 vom Haftgericht
ins Gefängnis geführt schreien Schaulustige ihren Hass heraus, wollen
seinen Tod. Seit einigen Stunden weiß man, dass zwei Mädchen aus Dutroux's
Keller befreit wurden. Es folgen neue Verhaftungen. Auch sein Helfer
Michel Lelievre und seine Frau Michele Martin werden von der aufgebrachten
Menge beschimpft. A mort - zum Tode - schreien sie. Gelassen lässt sich
der mutmaßliche Chef der Bande, der Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul,
dem Haftrichter vorführen. Der Verdacht: Er soll die von Dutroux entführten
Mädchen an Reiche Kunden geliefert haben.
03.52
Erst nach tagelangen Verhören ist Dutroux bereit, die Ermittler zu einem
Kellerverlies zu führen. Die Mädchen Laetitia - 14 Jahre alt und seit
8 Tagen verschwunden und Sabine - 11 Jahre alt, werden lebend wiedergefunden.
Sabine hat 6 Wochen im Keller verbracht. Die ganze Zeit fehlte jede
Spur. Man hatte kaum noch Hoffnung, sie lebend wiederzufinden.
04.18
Erleichterung und Freude sind unbeschreiblich als Laetitia, von ihrer
Mutter gestützt, ins Haus geführt wird. Nachbarn warten seit Stunden,
um sie zu begrüßen. Die wochenlange Qual hat das Gesicht der kleinen
Sabine gezeichnet. Ein Polizist hebt sie zu ihrer Familie hoch. "Ich
habe euch so vermisst", ist das einzige, was sie stammeln kann, als
ihre Eltern sie in die Arme schließen.
04.45
Doch die Freude hält nicht lange an. Man vermutet, dass auch andere
verschwundene Mädchen, Opfer des Kinderschänders wurden.
In den folgenden Tagen geht die Suche los. Gründlich wird jede kleinste
Ecke von Dutrouxs Häusern untersucht. Man hofft auf Beweise für andere
Verbrechen. Schon werden erste Hinweise laut, dass Dutroux kein perverser
Einzeltäter sein soll, sondern einem Ring angehört. Auf dem Gelände
eines der Häuser von Dutroux findet man schließlich drei Leichen: seinen
früheren Komplizen Weinstein und zwei vermisste achtjährige Mädchen,
Julie und Melissa
05.22
14 Monate lang waren sie verschwunden, wurden sie gesucht. Sie waren
in einem Verließ eingesperrt und sind am Ende grausam verhungert.
05.29
Tausende aus dem ganzen Land kommen zur Beerdigung. Sie klatschen als
Zeichen ihrer Unterstützung für die Eltern.
Der Vater eines noch immer verschwundenen Mädchens umarmt den Vater
der toten Julie. Noch hofft er seine Tochter Ann lebend wiederzufinden.
05.52
Wie konnte es passieren, dass die Mädchen nicht rechtzeitig befreit
wurden? Trauer und Fassungslosigkeit stehen den Eltern ins Gesicht geschrieben.
06.03
Das Grauen nimmt kein Ende. Auch das Haus des ermordeten Dutroux-Komplizen
Bernard Weinstein wird auf den Kopf gestellt. Tag und Nacht arbeiten
sie durch. Alles wird ausgeräumt auf der Suche nach Spuren. Dann die
Nachricht: die Leichen von zwei anderen vermissten Mädchen sind gefunden:
Eefje und Ann.
Wir brauchen nicht mehr zu suchen, sagt Ans verzweifelter Vater.
06.44
Das schwere Schicksal führt die Eltern der Opfer zusammen. Sie fordern
die schonunglose Aufklärung der Verbrechen.
06.49
Dann erscheinen Fotos von einer Dankesfeier mit den befreiten Mädchen.
Auch der Untersuchungsrichter, der Dutroux das Handwerk legte, ist anwesend.
Da geschieht etwas Merkwürdiges: er soll wegen Befangenheit abgesetzt
werden. In Belgien ist man empört: Ausgerechnet der Mann, der es schaffte,
die Kinder zu befreien.
07.10
Connerotte soll bleiben, singen sie auf der Strasse..
Radio (offen)
Als Connerrotte tatsächlich Abgesetzt wird, tobt vor dem Brüsseler Justizpalast
die Menge. Aus Protest säubern Feuerwehrleute die Fassaden. Studenten
demonstrieren im ganzen Land. (So etwas hat es im behäbigen Belgien
schon lange nicht mehr gegeben).
07.39
Der Volkszorn ballt sich zur größten Demonstration der Geschichte des
kleinen Landes: über 300 000 Menschen ziehen beim Weißen Marsch durch
Brüssel. Und Belgien ehrt seine neuen Helden: Pol Marchal - der Vater
von Ann, Gino und Carine Russo - die Eltern von Melissa und Luisa und
Jean Denis Lejeune - die Eltern von Julie. Bewegt bedanken sich die
befreiten Mädchen Laetitia und Sabine:
Laetitia offen
Sabine offen
08.19
Drei Jahre später. Mai 2000. Polizisten bewachen das Gerichtsgebäude,
wo gleich Marc Dutroux ankommen soll. In einem gepanzerten Mercedes
wird er vorgefahren. An diesem Tag beginnt sein Prozess. Allerdings
nicht der wegen der entführten und ermordeten Kinder, sondern nur der
wegen eines misslungenen Fluchtversuchs. Wann der eigentliche Dutroux-Prozess
stattfinden soll, wagt keiner mehr vorher zu sagen.
Gino Russo: Zwei Jahre hat man gebraucht, nur, um ihm den Prozess wegen
seiner Flucht zu machen. Aber uns geht es um Entführung, Mord und Vergewaltigung
und die Zeit verstreicht. Hat die Justiz Schwierigkeiten, Beweise zu
finden? Diese Frage beschäftigt und beunruhigt uns.
Carine Russo: Die Ermittlungen nehmen kein Ende, die beweisen sollen,
dass Dutroux allein tatsächlich Julie und Melissa entführt, missbraucht
und ermordet hat. Ich begreife nicht, warum man soviel Zeit braucht,
um zu beweisen, dass ein isolierter Perverser diese Verbrechen begangen
hat. Dann müsste man den Prozess doch nicht ständig verschieben, von
Jahr zu Jahr, immer weiter und das seit 4 / 5 Jahre schon.
Jean Denis Lejeune Und ganz zufällig sterben Leute auf unerklärliche
Weise: sie haben zum Beispiel einen Autounfall, als sie als Zeuge aussagen
wollten, oder man findet sie verbrannt zuhause. Anscheinend beunruhigt
das unsere Justiz nicht.
10.11
Ein Vorort von Charleroi. Auf diesem Gelände fand man die Leichen von
Ann und Eefje. Es ist das Haus des toten Dutroux-Komplizen Bernard Weinstein.
Dutroux hatte ihm zunächst das Betäubungsmittel Rohypnol gegeben und
ihn dann lebendig begraben. Es ist bis heute der einzige Mord, den er
gestanden hat. Er habe Weinstein umgebracht, weil dieser Ann und Eefje
ermordet hätte. Weinstein selbst kann sich nicht mehr wehren.
10.42
Von Bernard Weinsteins Existenz bleibt nur ein Menge Gerümpel. Beweise
für Dutroux's Behauptung findet man nicht. Das Haus von Weinstein wurde
abgerissen, nachdem es Unbekannte angezündet hatten.
Einige behaupten, dass Weinstein aussteigen wollte. Wurde er deshalb
ermordet? Viele fragen sich: wollte Dutroux verhindern, dass Weinstein
zum gefährlichen Zeugen würde?
11.07
Weinstein nahm die Antwort mit in dieses fast anonyme Grab. Nur eine
Nummer ist von ihm geblieben.
11.16
Auf einem anderen Friedhof in Charleroi finden wir das Grab einer schillernden
Figur. Hier liegt Jose Steppe. Jose Steppe war ein Mann aus einfachen
Verhältnissen, aber Zeit seines Lebens in ganz Charleroi bekannt.
11.37
Im Stadtteil Marchienne-au-pont hat die Gemeinde nach seinem Tod das
baufällige Haus abreißen lassen, so als sollte keine Spur von ihm erhalten
bleiben. Im seinem Viertel war er ein wichtiger Vertrauensperson für
die Bewohner. Wenn in Charleroi etwas passierte, Steppe wußte es. Einige
Wochen nach der Verhaftung von Dutroux, meldet er sich telefonisch bei
einem Journalisten, für den er hin und wieder als Informant arbeitete:
er habe Wichtiges über Dutroux.
12.05
Casper Nader: Diesmal rief er morgens an und war richtig in Panik. Er
hätte explosive Informationen. Ob ich so schnell möglich kommen könnte.
Ich hatte das Pech, dass mein Auto in der Werkstatt stand. Also machte
ich mit ihm einen Termin für den nächsten Montag aus. Ich versuchte
ihn dann zu erreichen, ohne Erfolg. Am Tag danach wurde ich von der
Gendarmerie angerufen. Sie wüßten, dass ich mit ihm telefoniert hatte.
Er sei tot und ob ich zum Verhör kommen könnte.
12.44
Am Tag seines Todes verlässt Jose Steppe früh um 7, wie gewohnt das
Haus, um im "Renaissance" seinen ersten Kaffe zu trinken. Im "Renaissance"
kennen ihn alle. Er wohnt gleich nebenan. Eine Stunde später hört seine
Frau ihn zurückkommen. Als sie den Flur betritt, liegt Steppe am Boden.
13.04
Nachbarin Der Herr hier ist noch dorthin gerannt. Wir haben einen Krankenwagen
gerufen, aber es war schon zu spät. Er konnte nicht mehr atmen. Er ist
in unseren Armen gestorben.
Casper Nader Neben ihm lag sein Beatmungsgerät. Er hatte öfters Atemprobleme,
eine Form von Asthma. Das Gerät habe ich selbst gesehen, als ich hierher
kam. Sein Sohn hat es mir gezeigt. Innen drin befand sich eine Packung
Rohypnol.
13.40
Rohypnol, von dem Casper Nader spricht, ist ein Betäubungsmittel Medizinisch
gibt es keinen einzigen Grund, dieses Mittel in einem Beatmungsgerät
zu benutzen.. UND: Dutroux bediente sich mit Vorliebe dieses Mittels,
um seine Opfer ruhig zu halten. Wir fragten den zuständigen Staatsanwalt.
Trotz dieser Umstände ist für ihn Steppes Tod unverdächtig. Eine Autopsie
wird nie vorgenommen.
14.29
Vergeblich klopfen die Kollegen von Gendarm Guy Geubels morgens an dessen
Dienstwohnung. Als sie die Tür aufbrechen, finden sie ihn tot, neben
ihm seine Dienstwaffe.
Offiziell beging Guy Geubels Selbstmord, doch es gibt Zweifel.
Carine Russo: Wir zählen Geubels zu den verdächtigen Totesfällen, weil
für uns vieles unklar war. Immer wenn wir uns bei der Justiz über seinen
Tod informieren wollten, bekamen wir unterschiedliche Antworten.
15.04
Die Gendarmerie hat uns gegenüber nur eine Antwort: Guy Geubels habe
ganz klar Selbstmord begangen. Doch die Familienangehörigen zweifeln:
Er habe das Leben genossen und keine größere Probleme. Guy Geubels arbeitete
schon seit dem Verschwinden von Julie und Melissa an dem Fall. Zwei
Tage vor seinem Tod hatte er mit Kollegen beschlossen, die Ermittlungen
auszuweiten.
15.28
Das Dorf Keumie bei Charleroi. Auf dem Schrottplatz graben Polizisten
und Helfer nach Spuren eines Verbrechens. Auch die Frau des Schrottplatzbesitzers
Bruno Tagliaferro, der einem Jahr vorher starb, ist dabei. Fabienne
Jaupart hat immer behauptet, es sei kein natürlicher Tod gewesen.
15.48
Fabienne Jaupart: Ich kann Ihnen bestätigen, dass man meinen Mann umgebracht
hat, weil er es mir angekündigt hat. Seit seinem Tod kämpfe ich verzweifelt
darum, dass die Wahrheit an's Licht kommt. Bis zum Schluss.
Frage: Was hat er Ihnen vor seinem Tod gesagt?
Fabienne Jaupart: Dass alles vorbei sei, dass er zuviel wüßte und, dass
er bald sterben würde.
16.08
Zum Bekanntenkreis des Schrotthändlers gehörten Dutroux und seine Komplizen.
Erst nach deren Verhaftung, sind die Behörden bereit, auf Fabienne Jaupart
zu hören und ein Verbrechen nicht auszuschließen.
Vater Fabienne: Er war im Weg. Bruno hat Mist gebaut - ich weiß nicht
was - und man erpresste ihn mit seinen Kindern und hat ihn krumme Sachen
erledigen lassen.
Freundin F.J: Fabienne sagte mir, dass Bruno ein Auto zerlegt hatte,
dass bei einer Entführung von zwei kleinen Mädchen benutzt worden war
und man würde nichts mehr wiederfinden. Nachher habe ich das erst geschnallt...es
ging um Julie und Melissa.
Thierry Ich habe das schon früh den Ermittlern gesagt. Dutroux wollte
Tagliaferro umbringen lassen, aber weshalb sagte er mir nicht.
Frage Ihn umbringen?
Thierry Ja, ihn und seine Frau. Er hat dafür 50 000BF und die Waffe
geboten.
Frage Wann haben Sie das gehört?
Thierry Ich saß bei Dutroux im Auto. Da hat er es mir gesagt. Dutroux
sagte es mir
17.30
Bruno Tagliaferro wird exhumiert. Seiner Leiche werden Proben entnommen,
die man in den Vereinigten Staaten untersuchen lässt. Das Ergebnis:
der Schrotthändler wurde vergiftet.
Fabienne Jaupart Ich habe zuhause Drohungen bekommen, dass ich jetzt
besser schweigen sollte.
17.49
Doch sie gibt nicht nach. Mehrfach droht sie auszupacken über Dutrouxs
Verbindungen.
Eines Tages findet ihr 14jähriger Sohn sie tot im Schlafzimmer. Sie
liegt halbverbrannt liegt sie neben ihrem Bett. Die Matratze wurde mit
Methanol überschüttet. Die Justiz geht von einem Unfall oder Selbstmord
aus.
Freundin Die Fenster waren nicht einmal schwarz. Und wissen Sie: jemand,
der sich umbringen will, lässt nicht die Waschmaschine laufen, setzt
keine Kartoffeln mit Salz und allem zum Kochen auf...
18.28
Vergeblich hatte Fabienne vor ihrem Tod um Polizeischutz gebeten. Sie
wurde nie ernst genommen.
Staatsanwalt Wenn die Ermittlungen zu keinem anderen Ergebnis führen,
muss man davon ausgehen, dass es sich um ein Selbstmord oder einen Unfall
handelt. Wir wissen es nicht, weil wir nicht dabei waren. Die Elemente,
die wir haben, reichen nicht aus um jemanden zu verdächtigen.
Freundin Sie war keine Spinnerin. Sie wußte ganz genau was sie tat.
Sie war auch nicht verrückt. Sie wußte nur nicht mehr, wem sie noch
vertrauen konnte.
19.10
Wir besuchen die Zeugin X1, die vor 20 Jahren Opfer eines Kinderpornorings
wurde. Sie glaubt zu wissen, warum sie noch lebt.
X1 Mich leben zu lassen, ist die beste Strategie, denn man hält mich
für verrückt. Es wird nicht auf mich gehört, ich werde von der Justiz
nicht ernst genommen. Also ist es sicherer, mich leben zu lassen.
19.34
Als die Dutroux-Affäre beginnt, meldet sich Regina Louf, verheiratet,
4 Kinder, Besitzerin einer Hundepension, als anonyme Zeugin beim Untersuchungsrichter.
Sie wird Zeugin X1.
Während der nächtelangen Verhöre erzählt sie über ihre grauenvollen
Erlebnisse, über reiche und mächtige Männer, die bei Sexfeten junge
Mädchen vergewaltigen, foltern und manchmal töten. Die Ermittler überprüfen
einige ihrer Aussagen und meinen, es gäbe genügend Grund, sie ernst
zu nehmen.
20.07
Ihre Aussage: Dutroux sei Zulieferer und Michel Nihoul der Organisator
des Kinderpornorings gewesen.
20.15
Nihoul ist inzwischen wieder frei - aus Mangel an Beweisen, sagt die
Justiz. Ihr genügt nicht, was Zeugen über ihn behaupten.
X1 Ich kannte Nihoul Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre.
Er hat sich kaum verändert. Sein Äußeres ist gleich geblieben. Ich erkannte
ihm dann auch sofort als einen der Zuhälter, die Kinder missbrauchten
und für Sexparties ausbildeten.
Nihoul Ich bin dieser Frau nie begegnet. Ich sage Frau, weil sie mittlerweile
verheiratet sein soll und Kinder hat. Außerdem spricht sie kein Wort
französisch und ich kein Wort niederländisch. Sie werden vielleicht
sagen, dass man die Sprache nicht sprechen muss, um jemanden zu vergewaltigen.
Aber wenn man an Gruppensex teilnimmt, spricht man doch die Sprache,
derer, die das organisieren.
X1 Es gibt eine Sache, um die er nicht mehr herum kommt. Er hat Gruppensex
gehabt. Ganz klar. Ich sage, dass er auch mit Minderjährigen Gruppensex
hatte. Es wäre natürlich besonders dumm von ihm, wenn er das jetzt zugeben
würde. Und er hat natürlich den Vorteil, dass die Ermittlungen eingestellt
wurden.
Nihoul Diese Frau sollte in eine psychiatrische Einrichtung gebracht
werden.
Anwältin Sie wurde auf Bitte der Justiz von einem Team der Universität
Leuven untersucht, unter Vorsitz des Professors Igodt, der einen guten
Ruf auf diesem Gebiet hat.. Diese Experten haben bestätigt, dass Regina
Louf ohne jeden Zweifel in ihrer Kindheit massivem sexuellen Missbrauch
ausgesetzt war.
Professor Igodt präzisiert, dass es sich lohnt zu untersuchen, was sie
erzählt - davon sind sie alle überzeugt. Und wenn das, was sie sagt
auch nicht als juristischer Beweis genutzt werden kann, sollte trotzdem
aufgrund ihrer Aussagen ermittelt werden.
22.38
Regina Louf sagt auch über einen Sex-Mord an einem jungen Mädchen aus.
Die Ähnlichkeiten mit dem bisher ungeklärten grauenvollen Mord an Christine
Van Hees 1984 sind frappierend. Ihre Leiche wurde in einem verlassenen
Gebäude in Brüssel gefunden. Regina Louf kennt Details über den Mord,
die vorher nie an die Öffentlichkeit geraten waren. Sie behauptet, Nihoul
sei einer der Täter
.
23.02
Von diesem Augenblick an gibt es für die beiden Ermittler, die Regina
Louf die ganze Zeit befragt haben, keine Ruhe mehr. Sie werden plötzlich
von ihren Chef heftig kritisiert, zum Schluss auf unbeschränkte Zeit
suspendiert und die Ermittlungen werden eingestellt. Begründung: Sie
seien voreingenommen und parteiisch vorgegangen.
Ermittler De Baets Der Fall zeigt, dass einige Personen an der Spitze
eines Ermittlerteams, jede Untersuchung scheitern lassen können. Hier
sieht man dieses Ergebnis. Die Ermittlungen wurden eingestellt und wir
wurden abgezogen. Alles aufgrund eines gefälschten Berichts, falscher
Erklärungen und Manipulationen in der Presse.
23 53
Erst ganze zwei Jahre nach ihrer Suspendierung werden die beiden Kriminalbeamten
rehabilitiert. Ein Untersuchungsausschuss lobt ihre Arbeit als beispielhaft.
Aber die Aussage der Zeugin X1 wird bis heute nicht berücksichtigt.
X1 Im Fall Dutroux gibt es zwei Arten von Zeugen: die Zeugen, die verschwinden,
auf die eine oder andere Weise ums Leben kommen und die Zeugen, die
man für verrückt erklärt. Wir, die wir noch leben, sind die Glücklichen,
und sind als Verrückte abgestempelt.
24.48
Morgens früh um 2 fährt Gina Pardaens über diese Straße nach Hause.
Sie stirbt, als sie in ihrem kleinen Auto mit 80 Stundenkilometern gegen
die Brückenrampe kracht. Ein Unfall, sagt der Gerichtsexperte.
25.04
Gina Pardaens ist Sozialarbeiterin und betreut Opfer eines Kinderpornorings.
Einige Tage vor ihrem Tod schreibt sie einen Brief: Sie habe im Zusammenhang
mit ihrer Arbeit Todesdrohungen bekommen. Sie fürchte um ihr Leben.
Kurz vor der fatalen Nacht meldet sie sich bei der Polizei. Man habe
ihr angedroht, sie könne einen Autounfall haben.
Morkhoven In dieser Zeit wird Gina regelmäßig mit dem Tod bedroht. Sie
wird beobachtet und verfolgt. Wir stellten auch merkwürdige Probleme
an ihrem Telefon fest. Im Zug wurde sie von einem Mann angesprochen,
der ihr sagte, dass sie besser mit ihrer Sozialarbeit aufhören sollte.
Sonst würde sie nicht mehr lange leben.
Freundin Sie wurde zu oft bedroht, als dass so ein blöder Autounfall
noch einigermaßen glaubwürdig wäre. Für mich ist das ausgeschlossen.
Ich glaube, dass böse Absicht im Spiel war.
Frage Dass sie umgebracht wurde?
Freundin Ja, ich glaube, dass sie ermordet wurde
26.14
Ein Bekannter von Gina dreht mit einer Amateurkamera das kaputte Auto
und die Unfallstelle. Der Wagen wird nicht von Gerichtsexperten untersucht,
sondern steht vergessen in der nächsten Werkstatt. Es ist schwer, sich
vorzustellen, wie Gina hier 80 Kilometer schnell fahren konnte. Vor
ihrem Tod erwähnte sie gegenüber Freunden auch ein Videoband, auf dem
ein Mädchen bei einer Sexfete umgebracht wird. Sie glaubte, einen der
Täter erkannt zu haben. Es sei ein Bekannter von Nihoul.
Freundin Für die Personen, die von Gina betreut wurden, ist das ganze
Vertrauen weg. Sie hatten sich an Gina gewandt und hofften, sich mit
ihrer Hilfe aus ihrer Situation, befreien zu können. Als Gina dann ums
Leben kam, erkannten die Opfer, dass die Verbrecher Gina tatsächlich
gefunden hatten. Wem sollen sie jetzt noch vertrauen? Wenn sie Gina
schon gefunden hatten, obwohl sie doch im Hintergrund arbeitete, dann
würden sie wohl auch jede andere Person aufspüren können. Wie lange
würde es dann dauern, bis sie ihr nächstes Opfer liquidieren?
27 36
Zurück nach Charleroi, der Stadt mit der höchsten Rate an Arbeitslosen-
und Sozialhilfeempfängern in Belgien. Armut und Kriminalität gehen hier
Hand in Hand. Nicht verwunderlich also, dass Dutroux gerade in dieser
Stadt sein Unwesen trieb.
27.50
Ein wenig außerhalb von Charleroi wohnt Frau Deulin. Auch ihr Sohn Jean
Paul Taminiau wurde umgebracht.
28.02
Mutter Das ist nicht sein Zimmer als er erwachsen war. Das ist sein
Teenagerzimmer aus der Zeit, bevor er seinen Wehrdienst leistete. Ich
wollte, dass alles wieder so aussieht, wie damals als er noch ein Kind
war.
28.29
Das wie ein kleine Gedenkstätte hergerichtete Zimmer ist das einzige,
was ihr von ihrem toten Sohn geblieben ist. Jean Paul Taminiau verschwindet,
kurz nachdem er einem Freund erzählt hat, dass er wichtige Informationen
erhalten habe. Kurz vorher, hat er sich auch eine neue Waffe gekauft.
Mutter Dieser Freund, der ihn am Tag vor seinem Verschwinden noch gesehen
hat, ist einige Wochen später zu mir gekommen. Er sagte: Für mich ist
er nicht tot. Er versteckt sich. Er hatte Angst vor irgend etwas. Die
Polizei machte ihm Schwierigkeiten. Er hatte Angst."
Mutter Ich will mich kurz fassen: Wenn es nicht irgendeinen privaten
Grund gab, dann wurde mein Sohn von denen umgebracht, die Dutroux schützen
wollten.
Jean Paul Taminiau ist kein Unbekannter in der Unterwelt von Charleroi.
Er war zunächst Türsteher in Nachtclubs, kannte das Prostituiertenmilieu
und hatte gute Beziehungen zu Autoschiebern.
Später besaß Taminiau selbst diesen Nachtclub mit Bordell, in dem die
gehobene Gesellschaft von Charleroi aus und ein ging.
29.49
"Gerechtigkeit" steht unter dem Bild von Taminiau. Nach 5 Jahren hofft
die Mutter noch immer auf Aufklärung seines Todes
29.59
Sie führt uns zu einer Garage, zu der ihr Sohn den Schlüssel besaß.
Der Vermieter ist ein mutmaßlicher Komplize von Dutroux. Die Garage
gegenüber gehörte sogar Dutroux selbst.
30.10
Fast ein Jahr nach dem Verschwinden, fischt ein Angler einen Fuß aus
dem Kanal. Es ist der Fuß von Jean Paul Taminiau. Seine Leiche hat man
nie gefunden.
30.25
Als die Justiz nicht länger suchen lassen will, bezahlt die Mutter selber
die Taucher. Bis nach einigen Tagen ihre ganzen Ersparnisse aufgebraucht
sind.
30.35
Noch immer versucht sie alles, damit die Schuldigen entlarvt werden.
Bei den Kommunalwahlen hängt unter den Politikern das Bild ihres Sohnes.
Sie wird aufgefordert, die Sache ruhen zu lassen, sie bekommt Drohbriefe,
aber sie gibt nicht nach. Jeden Sonntag fährt sie mit ihrem Auto über
den Markt. Ihr Protest ist ein stummer Schrei nach Gerechtigkeit, gegen
eine Justiz, die nicht bereit scheint, die Mörder und die Hintermänner
zu finden, weil sie möglicherweise dem Establishment angehören.
31.09
Vor dem Brüsseler Justizpalast fordern die Demonstranten, dass die Justiz
endlich ihre Arbeit macht. Dabei ist auch die Mutter eines Polizisten.
Sie steht still da, trägt ein Plakat: Mutter von Simon Poncelet - ermordet.
31.25
Nachrichten Hier im Gebäude der Gerichtspolizei von Mons wurde Simon
Poncelet mit vier Kugeln aus nächster Nähe erschossen. Es war halb zwölf
gestern abend. Simon Poncelet hatte ganz alleine Nachtdienst. Ein Zeuge
hörte die Schüsse, aber der Tote wurde erst eine halbe Stunde später
zufällig von einem Kollegen gefunden, der durch die Scheibe Blutspuren
gesehen hat. Simon Poncelet ist Sohn des Oberstaatsanwaltes von Tournai.
Keine Hypothese wird ausgeschlossen. Die Sicherung des Eingangs mit
Überwachungskamera und Sprechanlage könnte bedeuten, dass Simon Poncelet
seinen Angreifer kannte. Die Regel ist, keinem Unbekannten zu öffnen.
Drinnen wurde aber festgestellt, dass die Anlagen nicht funktionierten.
Nach ersten Ermittlungen weiß man, dass Simon Poncelet in letzter Zeit
keine problematischen Fällen bearbeitet hat. Er war auch nicht bedroht
worden.
32.15
Wir fahren nach Mons im Süden Belgiens, um uns mit dem Vater von Simon
Poncelet zu treffen. Der Oberstaatsanwalt ist mittlerweile Rentner..
Er kennt sich genauestens aus im Labyrinth der Justiz. Nun steckt er
seine ganze Energie in die Aufklärung des Mordes an seinem Sohn.
32.33
Poncelet Seit der Ermordung von Simon bin ich immer überzeugt davon,
dass es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder eine interne Abrechnung, wobei
ich kein Motiv finden kann, oder es hatte mit der internationalen Autoschieberei
zu tun mit der Simon sich zuletzt ausschließlich befasst hatte.
33.00
Im Autoschiebermilieu, in dem Simon ermittelte, hat sich Dutroux immer
bedient, um seine Kindesentführungen zu organisieren.
Guy Poncelet will nicht akzeptieren, dass man den Mörder seines Sohnes
nicht findet. Er fährt uns zum Tatort. Das Gebäude steht mittlerweile
leer.
Es verwundert den Vater, dass im Fall Dutroux gerade die Autoschieberakte
und die Kinderschänderakte, die kaum voneinander zu trennen sind, von
verschiedenen Gerichtsbezirken bearbeitet werden.
Poncelet Ich begreife diese Zerstückelung nicht. Ein Beispiel: Man hat
in Neufchateau aus dem Fall Dutroux den Teil über Autoschieberei herausgenommen
und nach Nivelles geschickt. Ich begreife nicht, dass die Verbrechen
einer Person teilweise in einer Stadt vor Gericht kommen und teilweise
in einer anderen Stadt, obwohl man weiß, dass die Verbrechen miteinander
verbunden sind. Normal wäre es, dass so ein Täter nur einmal vor Gericht
gestellt wird und nur an einem Ort.
Aber dann stelle ich fest, dass man in Nivelles aus der Autoschieberakte,
bei der es sich um mehrere Personen handelt, den Teil bezüglich Dutroux
rausholt und nach Charleroi schickt. Dort, wo Dutroux gewohnt und seine
ganzen Beziehungen hat. Da stelle ich mir Fragen. Ich sage nicht, dass
es eine Manipulation ist, aber ich möchte eine korrekte und glaubwürdige
Erklärung: Warum von Neufchateau nach Nivelles und dann ausschließlich
für Dutroux von Nivelles nach Charleroi?
34.56
Zu der immer länger werdende Liste von toten Zeugen im Fall Dutroux
sagt der ehemalige Staatsanwalt.
Poncelet Ich kann nur konstatieren, dass es einige opportune Todesfälle
gibt, zeitmäßig opportun. Und da stelle ich mir Fragen.
35.15
Wir haben den für den Fall Poncelet zuständigen Staatsanwalt um ein
Interview gebeten. Der lehnte ab.
35.24
Der 28-jährige Francois Reyskens ist auf dem Bahndamm unterwegs nach
Seraing. An diesem Tag hat er einen wichtigen Termin. Die Gendarmerie
will von ihm hören, was er über das verschwundene Mädchen Melissa weiß.
Doch er kommt nie an. Bahnarbeiter finden seine Leiche neben den Gleisen:
er wurde von einen Zug überfahren.
Melon Eines Tages hat er mich auf der Strasse angesprochen. Er wollte
mit mir reden, es sei etwas Schlimmes. Ich sagte: Schlimm oder nicht
schlimm, Du kannst es mir sagen. Komme zu mir, setze Dich und ich werde
Dir zuhören. Ich will versuchen, mich genau zu erinnern. Er sagte: ich
möchte mit Dir über das Mädchen Melissa sprechen.
Carine Russo Der Inhalt seiner Aussage wäre wohl gewesen, dass er die
Kinder gesehen hat oder dass über sie gesprochen wurde - in einer Bar
in Maastricht.
36.32
Der Vater von Francois sucht nach einem Bild von seinem Sohn. Die Beziehung
zu ihm war eher problematisch. Er weiß, dass sein Sohn Drogen nahm,
vermutlich auch dealte. Sie hatten häufig Auseinandersetzungen. Was
Francois alles trieb, in welchen Kreisen er sich bewegte, wusste der
Vater zuletzt nicht mehr so genau.
Melon Ich habe nachher zu meinen Freunden gesagt: Es sind nicht Leute
wie wir, aus unserem Milieu, aus unseren Kreisen, die in einem solchen
Fall an Informationen heran kommen. Das konnte nur einer wie Francois
sein…
Carine Russo An dem Tag als die Anhörung von Francois Reyskens angesetzt
war, kamen Gendarmen zu uns ins Haus und sagten, dass sie nicht hat
stattfinden können. Sie sagten, dass Francois Reyskens am Morgen unter
einen Zug geraten war.
Vater Es ist ziemlich merkwürdig, dass er genau in dem Moment unter
einem Zug kommt. War es wirklich ein Unfall? Ich weiß nicht…
37.47
Und so wird man wohl niemals erfahren, was Francois Reyskens genau gesehen
hat.
37.53
Von einer Brücke winken sie den Autofahrern zu. Sie haben weiße Luftballons
und Taschentücher. Sie gehören zur Weißen Bewegung. Aus Zorn über die
vielen Pannen der Justiz in der Affäre Dutroux, über Inkompetenz und
Korruption, fordern sie eine tiefgreifende Reform und völlige Aufklärung
im Fall der verschwundenen Mädchen. Auf der Autobahnbrücke begehen sie
den fünften Jahrestag der Entführung von Julie und Melissa..
38.22
An dieser Stelle wurden die beide Mädchen zuletzt gesehen, als sie Autofahrern
zuwinkten.
38.32
Kurz danach soll Dutroux sie in seinem Auto mitgenommen haben.
38.37
Im Keller seines Hauses an der Route de Philipville hat er dieses Versteck
gebaut. Hinter einem Regal verbirgt sich der geheime Raum. Kaum hoch
genug für einen Erwachsenen. In der Decke befindet sich mur ein winziges
Lüftungssystem, damit keine Geräusche nach außen dringen. Acht Monate
sollen die Mädchen hier gelebt haben und missbraucht worden sein
39.02
Bei einem anderen Haus hat Dutroux die Zufahrt extra ausgebessert, damit
er mit seinem kleinen Bagger hinauffahren kann. Die Fahnder finden im
und um das Haus große Mengen Baumaterial. Als sie in den Keller kommen,
entdecken sie drei halb fertige Zellen, ähnlich wie jene, in denen Julie
und Melissa eingesperrt wurden.
39.21
In Charleroi treffen wir uns nachts mit einen Mann aus dem kriminellen
Milieu. Er hat Dutroux vor einigen Jahren im Gefängnis kennengelernt,
als sie beide eine Haftstrafe zu verbüßen hatten.
G Es ist nie die Rede davon gewesen, von den Eltern der Mädchen Lösegeld
zu verlangen. Die Mädchen waren Handelsware, ganz klar. Da muss man
nicht lange grübeln. Es gibt einen ganz klaren Grund dafür. Die Mädchen
sind verschwunden. Die Eltern haben gleich gesagt: Wenn es ein Vergewaltiger
gewesen wäre, hätte man sie wiedergefunden.
G Der Lebensstil von Dutroux, das Geld und die Häuser, die er besaß…
er hat sich das alles nicht verdient, indem er selber die Mädchen vergewaltigte.
Das bringt kein Geld. Bei ihm muss man sich eine Frage stellen. Woher
hatte er das Geld?
40.16
Von diesen fünf Häusern weiß man mittlerweile, dass sie dem Sozialhilfe-Empfänger
Mark Dutroux gehören. Außerdem hatte er noch einige Garagen und Lagerräume
gemietet. Ermittelungen haben ergeben, dass er regelmäßig Aktien kaufte
und über mehrere Bankkonten verfügte. Nach der Entführung von Ann und
Eefje, wie auch nach der Entführung von Sabine, waren darauf große Geldsummen
in bar eingezahlt worden.
40.41
Woher das Geld kam, weiß man bis heute nicht. Dutroux selbst schweigt.
Offiziell gilt er als perverser Einzeltäter. Aber immer noch sterben
neue Zeugen, obwohl er im Gefängnis sitzt
Marchal Ich habe sehr gemischte Gefühle bei Dutroux. Es ist ein Monster.
Aber das Monster wurde teilweise von unserer Gesellschaft geschaffen,
so wie sie auch heute noch ist. Das macht mich wütend. Nicht nur, weil
man noch immer nichts dagegen tut, dass solche Monster überhaupt entstehen,
sondern auch, weil man zulässt, dass dieses Monster weitermachen kann.
41.34
Wir haben Interviews beim Untersuchungsrichter, beim Staatsanwalt, beim
Oberstaatsanwalt und beim belgischen Justizminister beantragt. Niemand
war zu einer Aussage bereit.
41.46
In diesem Gefängnis im südbelgischen Arlon wartet Dutroux auf seinen
Prozess. Wann es dazu kommen wird, kann keiner sagen..
Nihoul sieht sich selbst völlig zu Unrecht beschuldigt. Nicht nur die
Angehörigen der Opfer stellen weiter Fragen. Die Antworten muss die
belgische Justiz liefern.
Nihoul Es gibt nichts um mir einen Prozess wegen Schwerkriminalität
zu machen. Ich habe nichts getan. Ich weiß, dass alles falsch ist, was
man mir vorgeworfen hat.
Gino Russo Warum erscheint er in mehreren Teilen der Akte-Dutroux, wie
zum Beispiel im Zusammenhang mit Drogenhandel? Warum hat Nihoul, der
in Brüssel wohnt, diese enge Beziehung zu Dutroux? Warum haben sie miteinander
telefoniert während der Entführungen? Wie kommt es, dass mehrere Zeugen
Dutroux und Nihoul zusammen gesehen haben. Warum diese Beziehung zweier
Personen, die 100 Km von einander entfernt wohnen und warum die Kontakte
zum Zeitpunkt der Entführungen.
Carine Russo Es ist die Enttäuschung, die noch zu meiner Traurigkeit…unserer
Traurigkeit hinzukommt, seit wir unser Kind verloren haben. Es macht
den Schmerz noch stärker, weil wir versucht haben alles zu geben, damit
sich etwas bewegt und man wirklich die Wahrheit findet in dieser Affäre.
Das scheint mir für das ganze Land wichtig. Alles wurde so hingebogen,
damit das nicht gelingt. Wir haben das Gefühl, alles umsonst gegeben
zu haben.
JD Lejeune Es gibt keine Worte, um meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
Es ist immerhin meine Tochter, die mit ihrem Leben bezahlen musste…ein
kleines Mädchen von 8 Jahren.